Demografiemanagement in der Praxis

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Demografiemanagement in der Praxis, Schuett

Loring Sittler rezensiert:

Susanne Schütt

Demografiemanagement in der Praxis - Mit der Psychologie des Alterns wettbewerbsfähig bleiben

Springer Verlag | 2014 | ISBN: 978-3-642-54414-9 | DOI 10.1007/978-3-642-54415-6

Ein praktischer Ratgeber

Im Vorwort scheibt die promovierte Psychologin von der Universität Wien zu recht davon, dass man mit dem Thema Demografie-Management mit „besonders massiven Widerständen kämpft“ und dass „Fragen zum Altern im betrieblichen Kontext letztlich Akzeptanz- und Vertrauensfragen“ sind. Mit dem Megatrend Altern und mit den Widerständen und Ängsten vor dem Altern setzt sie sich detailliert und kenntnisreich im 1. und 2. Kapitel auseinander. Sie benennt „vier veränderbare psychologische Faktoren“, von denen abhängt, ob „Altern als Bedrohung oder als Chance wahrgenommen“ (S. 20) wird: 1. Problembewusstsein für die Veränderung (Sensibilisierung), 2. Kompetenz für die Veränderung (Wissen, Können) 3. Motivation für die Veränderung, also „eine positive Einstellung zum Altern und seiner Meisterung“ (Wollen) 4. Wahrnehmung aufgrund von Umgebungsfaktoren, dass die Veränderung erlaubt und erwünscht ist. Diesen Herausforderungen begegnet sie mit einer durchdachten und ganzheitlichen, in einzelnen Schritten logisch und praxisnah aufgebauten Strategie zum Aufbau eines „alternpsychologischen Change-Managements“ (S.VII). Die einzelnen Schritte nennt sie die „sechs Säulen des erfolgreichen Demografie-Managements“ (ebenda), die sie mit drei personale und drei organisationale Erfolgsfaktoren. (Tabelle 2.1. S.22) unterlegt. Die entsprechenden einzelnen Kapitel des Buches lauten: Sensibilisieren! Qualifizieren! Motivieren! Kommunizieren! Führen! Kultivieren! Die jeweiligen Kapitel sind durchsetzt mit sehr übersichtlichen und konkreten „Overviews“ sowie numerierten Tabellen, in denen der Fließtext strukturiert und kurz zusammengefasst ist. Es gibt ausserdem in kurzen Abständen zusammenfassende Thesen als fettgedruckte Randbemerkungen zu den einzelnen Absätzen. Reichlich anschauliche Zitate von Prominenten aus mehreren Jahrhunderten und jede Menge praktischer Tips werden mit anzuwendenden Methoden und Instrumenten zu einem sehr anschaulichen Werkzeugkasten, aus dem sich jeder bedienen kann, der etwas bewegen will.

im Kapitel 3 (Sensibilisieren) wird sehr deutlich geschildert, wie „dringlich, notwendig und nützlich“ ein Demografie-Management ist: Ein ganzes Arsenal an Argumenten, um in entsprechenden Kontroversen bestehen zu können (S. 30-52). Dabei werden konkrete Schritte und Methoden vorgeschlagen (S. 42), wie in einem guten Kochbuch.

Im Kapitel 4 (Qualifizieren!) wird mit dem ganzen „vorherrschenden falschen Alternswissen sowie lückenhaften Klischees und Vorstellungen, was Altern mit uns macht“ (S. 59) sehr gründlich aufgeräumt und der Stand der Wissenschaft sehr übersichtlich dagegengestellt, z.B. in den sechs „Schlüsselerkenntnissen der Psychologie des Alterns“ (S. 63f). Diese werden ergänzt durch den Begriff der „Alternsmeisterung“ (S. 71ff). Die Autorin verweist sehr zurecht darauf, dass diese Alternskompetenz „schrittweise, aber trotzdem konsequent und kontinuierlich entwickelt, gefördert und erhalten werden“ (S. 75) muss.

Im Kapitel 5 (Motivieren!) schildert sie, wie die „Alternseinstellungen“ als „überdauernde, vorwiegend negative Bewertungen das Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen“ und das Altern bestimmen. (S.93ff) – und dies gilt nicht nur für Individuen, sondern auch für die Gesellschaft, denn „wir denken, fühlen und handeln...auch entsprechend der Einstellungen der anderen“ (S. 96) Hier unterscheidet sie das vorherrschende Defizit-Risiko-Modell des Alterns, das vor allem als Alternsvorurteile die Arbeitswelt beherrscht, (S. 97) von der noch herzustellenden „positiv-realistischen Einstellung“ und dem Kompetenz-Chancen-Modell, die sie als Mangelware bezeichnet. In einer sehr nützlichen Tabelle (5.1. auf S. 105) stellt sie die Vorurteile dem gegenüber, „was wirklich stimmt“ und setzt das fort auch auf Vorurteile gegenüber älteren Arbeitnehmern (Tab 5.2., Seite 106f) und dem Demografie-Management (Tab 5.3., Seite 108f). Sie empfiehlt eine Revision der Alternseinstellung aus drei Bausteinen:
„Aufdecken, Widerlegen, Korrigieren und Ersetzen“ (S.112), ergänzt um konkrete Übungen und Methoden.

Im Kapitel 6 (Kommunizieren!) beleuchtet sie die weitverbreitete unterschätzte (S. 127) aber sehr wichtige Rolle der internen Kommunikation und stellt fest: “Meist wird zu spät, zu selten und zu kompliziert kommuniziert“ (S. 130). Sie setzt diesem Defizit die Forderung entgegen: Alternskommunikation braucht Planung und Struktur“ (S. 140), ergänzt diese durch „acht Elemente einer Alternskommunikationsstrategie“ und verweist auf die Notwendigkeit der „gemeinsamen Entwicklung“ (S. 141) aller Massnahmen.

Im Kapitel 7 (Führen!) geht sie auf die Notwendigkeit ein, die Frage des Alterns zur Chefsache und Führungsaufgabe auf allen Ebenen zu machen, sie entwickelt dabei Führungsaufgaben und Führungsrollen (S. 151 ff). Den Satz „Wertschätzung führt zu Wertschöpfung“ (S. 162) kann sich so manche Führungskraft hinter die Ohren schreiben.

Im Kapitel 8 (Kultivieren!) und 9 vertieft sie das Thema in den Bereich Unternehmenskultur und Nachhaltigkeit:“Eine alternserlaubende, -fordernde und –fördernde Alternskultur hingegen baut auf positiv-realistischen kollektiven Alterns-Einstellungen, Alternsbildern sowie Alterns-Werten und –Verhaltensnormen nach dem Kompetenz-Chancen-Modell auf. Sie ist die übergreifende Rahmenvoraussetzung für erfolgreiches Altern in der Arbeitswelt.“(S. 186) Konkretisiert wird das in sieben Grundsätzen für eine positiv-realistische Alternskultur (S.191).

Das Buch ist als Handbuch zu nutzen: Die einzelnen Kapitel sind auch einzeln zu lesen, es wird in jedem einzelnen Kapital jeweils auf andere Bereiche gezielt verwiesen. Um diese unmittelbare Nutzbarkeit zu erreichen, mussten einzelne Textteile ein wenig redundant formuliert werden. Aber die Botschaft ist sehr klar:
Hier gibt es ein sehr lohnenswertes Projekt anzufangen, bei dem alle Beteiligten nur profitieren können.

Am Schluß des Buches sind sowohl viele fachlich qualifizierte Organisationen aufgelistet wie auch eine umfangreiche Literaturliste. Man kann nur allen Praktikern empfehlen, sich dieses Instrumentes zu bedienen. Es kann einem sehr helfen, die bevorstehenden Schwierigkeiten zu meistern.

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