In Ruhe sterben

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In Ruhe Sterben, Gronemeyer, Heller

Loring Sittler rezensiert:

Reimer Gronemeyer und Andreas Heller

In Ruhe sterben

Pattloch | 2014 | ISBN 978-3-629130112

Einer der vielen zentralen Sätze bringt das Anliegen der beiden Autoren auf den Punkt: „Auch sogenannte austherapierte Patientinnen und Patienten haben Bedürfnisse nach Kontakt und Beziehung, wollen gewürdigt und nicht gedemütigt werden und erleben unterschiedliche Dimensionen eine affektiv-kognitiven Auseinandersetzung mit ihrem drohenden Tod, die empathische Kommunikation sowie umfassende Aufmerksamkeit als menschliches Grundrecht erfordern.“(S.87)

In dem großen Panorama drumherum werden alle Rahmenbedingungen, die dem im Wege stehen oder es zumindest sehr schwierig machen, kritisch beleuchtet: Die „Verkrankung des Sterbens“ durch die „palliative Versorgungsindustrie“ (S.12), die „Verprojektung des Sterbens“ (S.25), bei der Trauerbegleitung zur „expertokratisch abgefederten Dienstleistung“ verkommt, (S. 146), das „Multioptionsdilemma des heutigen Sterbens“ (S.52ff), wobei sich am Beispiel der Patientenverfügung der „Segen der Freiheit…in den Fluch des Gestaltungszwangs verwandelt“ (S.174 und 233). Und unvermeidlich auch die Kapitalismusschelte: Die „Warenförmigkeit durchdringt alle Lebensdimensionen“, die „Metaphysik des Kosumierens wird zur Standardphilosophie des modernen Lebens und dringt in die letzte Lebensphase ein.“(S.181). Ergänzt durch berechtigte Kritik am defizitären „Hausarztprinzip“ bei der ärztlichen Versorgung in Heimen (S.170) und deren Entwicklung: „Im Grunde müssten in den Pflegeheimen die besten Leute tätig sein, stattdessen erleben wir einen kognitiven und fachlichen Reduktionismus“ und vieles andere mehr, viele Fakten und auch philosophische und psychologische Hintergründe. Am Schluß die Visionen: „Eine Reorientierung der gesamten Versorgung im Alter ist erforderlich….Insofern sind der Aufbau von neuen Netzwerken, eines „dritten Sozialraums“ zwischen privat und öffentlich und die Neubelebung der Idee eines Welfare-Mix eine der wichtigsten Zukunftsperspektiven.“(S.178)

Die Autoren erhoffen sich einen “Zivilgesellschaftlichen Aufbruch, der aus den lokalen Lebensverhältnissen der Menschen heraus Initiativen zum Umgang mit Demenz, mit Pflegebedürftigkeit, mit sterbenden Menschen einlädt, die nicht vergeldlicht sind, sondern aus der freundschaftlichen Zuneigung zum Nächsten wachsen.“ (S.183) und nennen die dafür notwendige Voraussetzung: „Den neuen Herausforderungen ist nur dann angemessen zu begegnen, wenn in den Gemeinden und Städten ein gemeinsames zivilgesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein wächst – und gelebt wird.“ (S.202) Sehr lesenswert, für alle, die „eine selbstbewusste Neuerfindung der Hospizbewegung“ (S.226) für fällig halten.

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